Empört Euch! – demokratischer Widerstand nun auch in Deutschland

Seit dem vergangenen Wochenende berichteten mehrere politische Blogs einstimmig über beginnende demokratisch motivierte Proteste in Berlin nach dem Vorbild der “Empörten” in Spanien. Einige Demonstranten campieren demnach seit einigen Tagen friedlich auf dem Berliner Alexanderplatz. Die Polizei behindert die Aktionen trotz öffentlicher Genehmigung massiv; die Konzernmedien schweigen sich unterdessen über die Ereignisse aus.

Laut dem Blog “Mein Politikblog” haben sich inzwischen mehrere Dutzend auf dem zentralen Platz der Hauptstadt eingefunden. “Gemeinsam wird dis­ku­tiert und Musik gemacht. Es werden Reden gehalten und Dia­loge mit vor­über­ge­henden Pas­santen gestartet.”

Die Demonstranten verhalten sich friedlich; zudem liegt wohl eine mehrtägige Genehmigung für die Aktion durch das Bezirksamt vor. Trotzdem haben die Protestler mit massiven Repressionen und Behinderungen durch die anwesenden Polizeikräfte zu kämpfen. Daraufhin schaltete sich bereits das Netzwerk Attac in die Geschehnisse ein und forderte die Behörden auf, die Proteste zuzulassen und nicht zu behindern. Heute heißt es allerdings auf dem Blog der Demonstranten: “Das Problem ist aber: Die anhaltenden Schikanen der Polizei, die vergangene Nacht in einem tätlichen Angriff eines Beamten auf einen Schlafenden mündeten, lassen es kaum zu, dass wir mal in Ruhe unserer eigentlichen Arbeit nachgehen können.”

Die Bewegung auf dem Alexanderplatz nennt sich aCAMPada Berlin (nach spanischem Vorbild). Auf ihrem Blog gibt es das deutsche Manifest, aktuelle Informationen, Links, Fotos, Videos und Hinweise. Außerdem befassen sich – wie bereits erwähnt – inzwischen mehrere Blogs mit den Protesten. “Mein Politikblog” hat gestern eine Presseschau mit Zitaten und Verweisen zusammengestellt. Zudem unterhält aCAMPada Berlin eine Twitter-Seite: http://twitter.com/#!/acampadabln.

Es ist momentan noch ein kleiner Protest, jedoch wächst er stetig: “Aber weiterhin gilt: Wir brauchen einfach mehr Leute auf dem Alex. Die Schikanen und Einschränkungen halten das Camp wie gesagt optisch sehr klein, aber zu den allabendlichen Asambleas kommen mittlerweile rund 100 Menschen. Das Camp in den Köpfen wächst!”

Die Demonstranten brauchen Unterstützung und vor allem eine breite Öffentlichkeit, welche ihnen die etablierten Medien aber anscheinend nicht zu bieten bereit sind. Doch erst wenn viele Menschen auf dem Alexanderplatz zusammenkommen und sie die Aufmerksamkeit vieler Menschen erhalten, kann der demokratische und friedliche Protest (auch ohne Schikanen der Behörden) gelingen.

Für kommenden Freitag ist eine Demonstration geplant: “Eine weitere Aktion, die wir an dieser Stelle auch schon promoten wollen, ist der am Freitag stattfindende “Marsch der Zelte”. Wir treffen uns am Freitag um 17 Uhr am Brandenburger Tor und marschieren mit aufgebauten Zelten zum Alex. Dort findet dann eine Kundgebung statt. Bitte kommt alle, verbreitet diesen Demoaufruf und bringt eure Zelte mit: Freitag, 26.08.2011, 17 Uhr. Brandenburger Tor!

Auch wir von res.publica werden uns bemühen, über die aktuellen Ereignisse in Berlin – und vielleicht bald auch in weiteren Städten der Bundesrepublik – zu berichten und auf interessante Informationen und Aktionen zu verweisen.

hd

PS. Hier eine Kopie des Manifests von aCAMPada Berlin:

Unser Manifest

Am 17.12.2010 verbrannte sich in Tunesien ein Gemüsehändler auf einem Marktplatz. Mohammed Buazizis war gerade einmal 26 Jahre alt und der Ernährer einen großen Familie. Er war der Auslöser der 100.000 Tunesier auf die Straße gebracht hat, die dann wiederrum den tunesischen Despoten Ben Ali aus dem Amt trieben. In riesigen Chören forderten sie Freiheit und formten den Gedanken: “ab jetzt, echte Demokratie!”

Auch in Ägypten hörten die Menschen davon und erkannten ihre Chance:

“Lasst uns zeigen dass wir viele sind! Wir sind die Menschen und wir fordern nichts großes, wir fordern unser Recht auf ein anständiges Leben!”

Die Medien formten sofort einen wunderschönen Begriff mit einer traurigen Wahrheit dahinter:

“arabischer Frühling”

Der Frühling ist vorbei…es gab ihn nie. an die 10.000 Menschen dürften es nun seither sein, die bei ihrem Ruf nach Freiheit die einzige Freiheit darin fanden von einer Kugel der Regierung gezielt abgeschossen zu werden. Weitere 20.000 Menschen wurden einfach verhaftet, ein Großteil von ihnen ist bis heute nicht aufgetaucht. Ihre Familien sitzen zu Hause und beten jeden Tag dass sie die Foltern überleben denen sie in den Gefängnissen ausgesetzt werden.

Wir haben diesen Namen gewählt um uns mit mit den größten Sternen dieser Bewegung direkt zu verbinden.

Die weltweite Bewegung hat als Überbegriff: “Echte Demokratie- JETZT!”, in sämtlichen Sprachen.

“acampada”(camping) , hat sich als Begriff über die spanische Bewegung geprägt. Die Menschen die in Spanien auf die Straße gegangen sind, die Plätze dauerhaft besetzt haben und uns ein riesiges Vorbild sind. Sie haben uns gezeigt was alles möglich ist wenn man endlich das Unmögliche versucht.

Sie waren am Anfang vielleicht 10 oder 20 Menschen, die immer wieder und immer öfter auf die Plätze gegangen sind, um mit den Menschen zu reden die ihnen dort über den Weg laufen.

Sie haben angefangen auf sich aufmerksam zu machen, mit den aller einfachsten Mitteln. Sie haben überall Zettel aufgehängt auf denen so simple Dinge standen, wie:

“Ich möchte gerne frei sein.”

“Ich möchte keine Angst mehr haben” 

“Ich möchte helfen” 
“Ich glaube ich kann etwas ändern” 
“Ich kann doch nicht einfach nichts tun”

Das spanische Manifest findet sich übrigens in unserem Artikel: Empört Euch – Demokratie jetzt!

Nachtrag vom 29.8.2011: Aktueller Artikel zum Thema erschienen – Neues vom Alexanderplatz: Warum will keiner echte Demokratie?
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