Studie: Drucksache Bild – Eine Marke und ihre Mägde

Die von der Otto Brenner Stiftung herausgegebene und von Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz verfasste Studie „Drucksache Bild – Eine Marke und ihre Mägde“ untersucht die Berichterstattung der „Bild“ über die Griechenlandkrise und stellt daran exemplarisch die Arbeitsweise des Blattes dar. Dazu wurden 121 Artikel auf ihre Aussagekraft, Genauigkeit, Form, Agenda und andere Aspekte hin analysiert.

Das wichtigste Ergebnis ist, dass „Bild“ sich selbst inszeniert. Ständig wird die eigene (angeblich) journalistische Arbeitsweise dargestellt. Dies wirkt als Deckmantel für die manipulative Berichterstattung und gibt ihr einen seriösen Anstrich, der aber wiederum oft auch bewusst angekratzt wird („Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!“). Gleichzeitig dient diese Mischung aus Pseudo-Journalismus und vermeintlicher Volksnähe der Selbstdarstellung als Leitmedium.

Das Etikett „Leitmedium“ ist allerdings purer Schein. Es ist Produkt einer geschickten Vermarktung, bei der ein großer Teil jeder Ausgabe zum Selbstzweck verkommt. Die Marke „Bild“ wird täglich in der „Bild“-Zeitung beworben und bekannt gemacht. Die eigentliche Macht des Blattes liegt jedoch nur darin, dass es ernst genommen wird. Die Akzeptanz als Leitmedium macht es erst dazu. Und diese Akzeptanz wiederum wird durch die Omnipräsenz erreicht. Ein Medium, dass jeder kennt, muss doch wichtig sein, oder?

Diese mächtige Position nutzt die „Bild“, um ihre Agenda, die sich zu großen Teilen gegen die eigene Leserschaft richtet, zu betreiben. Man inszeniert sich als Vertreter der schweigenden Mehrheit, greift die Politik an, die darauf beschwichtigend reagiert. Dies schafft erst die Realität, die von „Bild“ zunächst als Fiktion geschaffen wurde. Die plakativen Überschriften, in dieser Form noch bloßes Gedankengebilde, verändern, dadurch, dass sie ernst genommen werden, so die Wirklichkeit nach den Vorstellungen von „Bild“.

Jens Berger führt in seiner Rezension der Studie die schlechten Umfragewerte der schwarz-gelben Regierung auf genau diese Missinterpretation der „Bild“-Meinung als Volksstimmung zurück. Er schreibt:

Da die Bild grundsätzlich eine (rechtspopulistisch) konservative und marktliberale Linie vertritt, ist es für die Parteien dieses Spektrums natürlich verführerisch, die Bild als Sprachrohr des Volkes zu sehen. Vielleicht ist die momentane Schwäche von Union und FDP auch auf diese (Selbst-)Täuschung zurückzuführen. Schwarz-Gelb regierte zwar zwei Jahre am Volk, aber nicht an der Bild-Zeitung vorbei. Nun kassiert man in Berlin die Quittung dafür.

Es ist an der Zeit, dass ein Umdenken stattfindet und mehr Menschen als Judith Holofernes und Ottfried Fischer öffentlich über die Machenschaften dieses Blattes aufklären. Die Studie der Otto Brenner Stiftung ist hier ein guter Anfang.

Ein kleines Manko hat die Studie jedoch. Sie kritisiert den Sprachstil der „Bild“, bedient sich aber, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß, einer doch recht flapsigen Sprache. Es ist zwar lobenswert, eine Analyse allgemeinverständlich zu formulieren, doch gilt es sich weder in endlosen Aneinanderreihungen von Fremdwörtern noch im unnötigen Gebrauch von Umgangssprache zu ergehen. Hier ist dies leider nicht ganz gelungen.

bd

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