Vorurteile, Stigmatisierung und Spaltung – Ein Kommentar für die Wahrheit

„Falsche Fragen, falsche Antworten“; so der Titel eines Gastkommentars, welcher am 24.4.2011 auf Spiegel-Online erschien. Kurz und knapp trifft Fred Grimm den Nagel auf Kopf: Alle Welt schimpft auf Hartz-IV-Empfänger und einschlägige Blätter hetzen regelmäßig gegen die vermeintlich faulen Menschen, welche Geld aus der Steuerkasse beziehen; doch dass das vermittelte Bild einen Großteil der Wahrheit verschweigt, wissen nur die Wenigsten.

Das negative Bild eines „typischen“ Hartz-IV-Empfängers wird in einschlägigen Medien zunehmend verbreitet. Somit manifestiert sich dieses nicht nur sukzessive in der deutschen Medienlandschaft, sondern gleichzeitig auch im Bewusstsein vieler Deutscher. Erst kürzlich veröffentlichte die Bild auf ihrer Internetseite einen Artikel, welcher auf einen vermeintlichen Anstieg von Fällen so genannten Sozialbetrugs hinwies. Dass sich die Zahlen jedoch bei näherer Betrachtung als unhaltbar erwiesen, verschwieg das Blatt sowie auch andere Medien, welche darüber berichtet hatten. Diese Meinungsmache, welche jedoch – bei genauerer Betrachtung – jeglicher Grundlage entbehrt, birgt eine erhebliche Gefahr für den sozialen Frieden.

Denn besonders erschreckend wird das Vorgehen von Politik und Medien dann, wenn man sich weitere Fakten anschaut, welche in diesem Kontext von Bedeutung sind:

1. Durch Steuerhinterziehungen gehen dem Staat jährlich rund 100 Milliarden Euro verloren. Die Ausgaben im Rahmen von Hartz-IV belaufen sich im Gegensatz dazu auf „nur“ 50 Milliarden Euro. Trotzdem werden Steuerhinterzieher in jeder Hinsicht bevorzugt. Sie werden nicht öffentlich an den Pranger gestellt und erhalten im Falle einer Selbstanzeige noch nicht einmal eine Strafanzeige.

2. Durch das Fehlen von Mindestlöhnen sind viele Arbeitnehmer darauf angewiesen Hartz-IV zu beziehen, obwohl sie auf einer vollen Stelle arbeiten. Da die Regierung nicht vorhat, in absehbarer Zeit einen entsprechenden Mindestlohn einzuführen, erspart sie noch auf lange Zeit vielen Unternehmen erhebliche Kosten, indem sie mit Steuergeldern das Lohndumping kompensiert bzw. finanziert.

3. Die erwähnten 50 Milliarden Euro landen nicht einmal zur Hälfte bei den Hartz-IV-Empfängern selbst. Der Großteil wird für oftmals unsinnige Maßnahmen und einen riesigen Verwaltungsapparat ausgegeben. Vor allem die Maßnahmen scheinen häufig nur dem Zweck zu dienen, die Statistiken zu schönen. Denn was kaum einer weiß: Jeder Arbeitslose, der an einer Maßnahme der Agentur für Arbeit oder ähnlichem teilnimmt, taucht nicht in den offiziellen Statistiken auf; ebenso wenig Arbeitnehmer, die trotz Arbeitsstelle auf staatliche Leistungen angewiesen sind. So erklären sich dann auch die ständig neuen Erfolgsmeldungen der Bundesregierung. Wenn die Gruppe der Leistungsempfänger zudem offiziell immer kleiner wird, ist es umso leichter, diesen auch die Schuld an ihrer Lage zu geben: Es werden ja augenscheinlich immer weniger Arbeitslose, der soziale Aufstieg scheint also möglich zu sein.

Die Gründe für das Vorantreiben einer solchen Stigmatisierung und Spaltung durch Politik und Medien scheinen vielseitig, sollen an dieser Stelle jedoch nicht weiter ausgeführt werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass aufklärende Artikel, wie der oben genannte auch in Zukunft nicht ausbleiben und vielleicht sogar irgendwann die gefährliche und auf Unwahrheiten basierende Hetze aus der Öffentlichkeit verdrängen.

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