Neuer Fall von Polizeigewalt in München?

Ein Artikel auf sueddeutsche.de berichtet von einem vermutlichen Fall von Polizeigewalt. Am Rosenmontag dieses Jahres hielt sich eine Dolmetscherin auf der Wache am Hauptbahnhof auf. Sie sollte dort für mehrere rumänische Schwarzarbeiter übersetzen, die ihre Arbeitgeber wegen Lohnbetrugs anzeigen wollten. Als die Übersetzerin die Wache anderthalb Stunden später verlässt ist sie übersät mit blauen Flecken, Prellungen, Stauchungen, Schürfwunden, hat ein Schleudertrauma.

Die Polizei behauptet, die Frau hätte Informationen über eine Messerstecherei zurückgehalten und sich geweigert, ihre Personalien anzugeben. Darauf hin hätten die Beamten, nach mehrmaliger Androhung, Gewalt angewendet. Schenkt man dieser Verrsion Glauben, so stellt sich dennoch die Frage, wie es zu solch massiven Verletzungen kommen konnte, obwohl es nur darum ging, den Personalausweis der Frau sicherzustellen.

Die Dolmetscherin gab an, die überforderten Beamten hätten wenig Lust gehabt, so viele Strafanzeigen aufzunehmen. Hinzu käme, dass die Polizisten nach Einzelheiten aus anderen Vernehmungen, die sie gedolmetscht hatte, gefragt hätten. Sie habe die Polizisten auf ihre Schweigepflicht hingewiesen und die Wache verlassen wollen. Daraufhin sei ein Beamter ausgerastet und habe ihr den Arm verdreht und sie mit dem Kopf vor Tür und Wände geschlagen. Auch sei ihr ein Toilettenbesuch verweigert worden, woraufhin sie sich eingenässt habe.

Mittlerweile ermittelt die Polizei (!) gegen die Frau wie auch gegen die betreffenden Beamten. Allerdings hätten die Vorwürfe gegen die Dolmetscherin wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte Priorität, so der Polizeisprecher. Erst dann werde gegen die Beamten ermittelt.

Es ist endlich an der Zeit, dass solche Vorfälle von unabhängigen Stellen überprüft werden. Leider ist es zur gängigen Praxis geworden, Polizeigewalt mit Gegenanzeigen wegen Widerstands zu vertuschen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat bereits letztes Jahr auf die nicht hinnehmbaren Zustände im Bereich der Aufklärung von Polizeigewalt in Deutschland aufmerksam gemacht. Eine Kampagne, die (leider) noch immer Aktualität besitzt.

bd

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