Güner Balci – Bauernopfer in der Sarrazin Debatte?

Güner Balci hatte für das ZDF Magazin Aspekte einen kurzen Film mit Thilo Sarrazin in Berlin Kreuzberg gedreht. Noch bevor dieser ausgestrahlt wurde, beherrschte er die Berichterstattung. Grund dafür war, dass Herr Sarrazin – oh, welch Wunder – keineswegs gut bei den Kreuzbergern ankam. Egal, wohin er ging, immer wieder stieß er auf Ablehnung. Angesichts seiner Äußerungen über Migranten eine durchaus verständliche Reaktion. Das gesamte Konzept sowie der fertige Film waren auf billige Effekthascherei ausgelegt und neue Erkenntnisse oder ein Dialog konnten nicht gewonnen werden. Nun hat der rbb ein anderes Projekt Balcis zu Sarrazins Buch gestoppt und sich damit dem Verdacht der Zensur ausgesetzt.

Vollkommen zu recht wurde der Bericht vielfach kritisiert. Sein Ziel war schließlich augenscheinlich weniger eine Aussprache oder gar Versöhnung als vielmehr eine Konfrontation. Doch selbst aus der Konfrontation entsprangen keine konstruktiven Ergebnisse. Dafür reagierten die Beteiligten zu emotional und beleidigend. Allen voran Thilo Sarrazin. Nachdem der Betreiber eines Restaurants aufgrund von Protesten den Dreh abbricht beschimpfte Sarrazin einen der Protestierenden mit den Worten „Sie sind ein ganz widerlicher Linksfaschist!“. Deeskalation und konstruktive Integrationsbemühungen sehen anders aus.

Doch Frau Balci hatte neben diesem kurzen Beitrag noch mehr vor. Sie wollte für den rbb einen längeren Film drehen. Es sollte eine Bestandsaufnahme zur Sache Sarrazin werden, ein Jahr nach dem Erscheinen seines Buches. Dafür führte sie unter anderem ein Interview mit Frank Schirrmacher. Kurz nach dem Aspekte-Beitrag meldete sich jedoch Produktionsfirma bei ihm um ein erneutes Interview zu vereinbaren, die Aufnahmen seien gestohlen worden. Frau Balci wusste davon nichts. Sie wusste nur, dass der rbb ihr den Film entziehen wolle. Diese Ungereimtheiten veranlassten Herrn Schirrmacher, einen Artikel zu den seltsamen Vorgängen für die FAZ zu schreiben.

Seine Nachfragen ergaben, dass die Redaktion sich tatsächlich von Güner Balci trennen will. Der Beitrag über Sarrazin in Kreuzberg wäre nicht abgesprochen gewesen und sie hätte darin ihre neutrale Position als Journalistin aufgegeben. Von gestohlenen Bändern will die Redaktion jedoch nichts wissen. Schließlich gab die Produktionsfirma zu, es habe sich um eine Notlüge gehandelt.

All diese Vorgänge wirken recht obskur und es drängt sich mindestens der Verdacht des vorauseilenden Gehorsams, wenn nicht sogar der Zensur auf. Scheinbar hatte der rbb Angst, dass sich der geplante Film als ebensolcher Stein des Anstoßes entpuppen könnte, wie der Beitrag für Aspekte. Auch wenn dieser zur eher überflüssigen Sorte gehört, so ist es dennoch nicht hinnehmbar, dass aus Furcht vor einer Debatte eine Autorin vor die Tür gesetzt und, viel schlimmer noch, isoliert und bar jeden Schutzes alleingelassen wird.

Dies ist das gefährlichste an der ganzen Sache: abgesehen vom Sarrazin Besuch in Kreuzberg leistet Balci durchaus gute Arbeit. Mit ihrer kritischen Haltung zu einigen Ausprägungen des Islam sowie zu Problemen der Integration eckte sie bereits mehrfach an. Und nun wurde ihr vom rbb „offiziell“ die Glaubwürdigkeit, die Objektivität, die Neutralität abgesprochen – die machtvollste Waffe des Journalisten. Jetzt steht sie entblößt da, ihre Arbeit hat einen Makel bekommen. All das ist Wasser auf die Mühlen der tatsächlich integrationsfeindlichen Minderheit.

bd

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter demokratie., gesellschaft., inneres., medien., vernetzt. abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s