Kurz kommentiert: Durcheinander und Verunsicherung bei Günther Jauch

Gestern Abend (18.9.2011) sendete die ARD die zweite Sendung ihrer neuen Sonntagabend-Talkshow mit Günther Jauch. „Die schwarz-gelbe Pleite! Kann diese Regierung noch den Euro retten?“ lautete das Thema an diesem Abend. Sowohl diese Formulierung, als auch die Auswahl der Gäste verrieten bereits vor Beginn, dass sich Jauch und seine Redakteure wohl nicht auf ein Thema festlegen konnten oder wollten. Dementsprechend nichtssagend gestaltete sich dann auch die Sendung. 

Günther Jauch hatte anscheinend auf die „Pleite“ der FDP an diesem Wahltag in Berlin gesetzt. Um die Sache für Philipp Rösler noch unangenehmer zu gestalten, wurde nicht irgendjemand aus der Opposition geladen, sondern der strahlende Sieger des Tages: Klaus Wowereit (SPD).

Außerdem war Norbert Röttgen (CDU)  zu Gast, eine weitere Fehlbesetzung dieser Talkrunde. Ausgerechnet den in der Euro-Debatte bisher – zurecht – schweigsamen Umweltminister einzuladen, mutet schon etwas seltsam an. Und so bewies Herr Röttgen auch mehrfach, dass er vom Thema eigentlich keine Ahnung hat und nur das, für Politiker anscheinend unumgängliche, „Drumherumgerede“ beherrscht.

Um sich nicht allzuweit vom Thema „Euro-Krise“ zu entfernen, saßen dann noch Dirk Müller (Börsenhändler in Frankfurt) und Beatrice Weder di Mauro (eine der fünf „Wirtschaftsweisen“) in der Runde. Besonders gewinnbringend war deren Anwesenheit jedoch nicht.

Die gesamte Sendung hatte weder Hand noch Fuß. Ständig wechselte das Gespräch zwischen Euro-Krise und FDP- bzw. Regierungs-Krise hin und her. Günther Jauch war nicht in der Lage das Gespräch zu steuern oder einen angemessenen Zusammenhang herzustellen. Vielmehr verschlimmerte er die Situation noch durch deplatziert wirkende Fragen und Einspieler.

Um es kurz zu machen: Klaus Wowereit kritisierte ständig die Uneinigkeit in der Regierung, glänzte aber gleichzeitig nicht durch besondere Fachkompetenz in Sachen Krise. Philipp Rösler war eher still und fast bemitleidenswert. Er konstatierte jedoch überraschend – angeregt durch einen Beitrag in der Diskussionsrunde -, dass er als Wirtschaftsminister nicht den Finanzmärkten, sondern der deutschen Bevölkerung verantwortlich ist; wer es glaubt.

Herr Röttgen sagte viel, aber tatsächlich nicht ein einziges Mal etwas von Belang. Zudem fiel auf, dass er Wowereits Kritik am mangelnden Zusammenhalt der Regierung mehrmals legitimierte, indem er Herrn Rösler angriff. Die beiden Wirtschaftsexperten konnten auch nicht wirklich weiterhelfen und waren zudem teils sichtlich von den parteibezogenen Streitereien zwischen den Politikern genervt.

Nicht zuletzt waren „die Märkte“ wieder einmal der heimliche sechste Gast. Es ist unglaublich, dass hier ein anonymer und angeblich nicht beeinflussbarer, jedoch unberechenbarer Faktor geschaffen wird, welcher nur allzu oft zur Erklärung oder sogar Entschuldigung verschiedener Umstände herangezogen wird. Es handelt sich bei „den Finanzmärkten“ um menschliche Akteure, welche sehr wohl zur Verantwortung gezogen werden könnten. Durch die Anonymisierung, Versachlichung und die Verschmelzung einzelner Personen zu „einem Markt“ beraubt sich die Regierung ihrer eigenen Macht gegenüber den Finanzakteuren und verleiht ihnen sogar noch einen Freibrief für unverantwortliche Spekulationen und ähnliches. Es ist erschreckend, dass sich kein einziger Gast bemüßigt fühlte, diese Verblendung einmal zu hinterfragen.

Dass die FDP bröckelt, ist kein Geheimnis und auch keine Sensation, sondern Ergebnis der schwarz-gelben Politik der letzten zwei Jahre. Das hat auch Herr Jauch verstanden und dies – wie bereits erwähnt – schon in der Planung seiner Sendung einkalkuliert. Dass die Regierung zersplittert ist und dies wiederum Auswirkungen auf die Euro-Krise hat, stellt ebenfalls kein Geheimnis mehr dar. Man hätte durchaus auch eine bzw. zwei Sendungen zu diesen Themen ansprechend und vor allem gewinnbringend gestalten können. Dies ist Herrn Jauch und seinen Kollegen jedoch nicht gelungen.

Nicht nur aufgrund der miserablen Raumakustik im Gasometer war dies eine weitestgehend nur schwer erträgliche Stunde des öffentlichen Rundfunks. Es bleibt zu hoffen, dass Herr Jauch sowohl seine redaktionellen als auch seine moderatorischen Fähigkeiten stark verbessern kann. Sonst heißt es demnächst sonntagabends wieder: Lieber abschalten und ein gutes Buch lesen!

Das enorme Polit-Talk-Angebot der ARD hätte zumindest ein Potential: In Zeiten einer äußerst verschwiegenen Regierung und einer eher undurchsichtigen Lage auf der Welt, könnte für viele Bürger zumindest an einigen Stellen Licht ins Dunkel gebracht werden. Doch die ARD vertut diese Chance durch schlechte Moderatoren und unzureichend vorbereitete Sendungen. Wenn es schon die Regierung nicht schafft, sich abzusprechen und dann zu verständlich begründeten Entscheidungen zu kommen, könnte dies wenigstens der öffentliche Rundfunkt im Rahmen seines Bildungsauftrags versuchen. Jedoch ist bei solchen Sendungen wie der gestrigen Talkshow noch nicht einmal ein solcher Versuch erkennbar.

hd

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