Troy Davis wurde hingerichtet! – Kritik an der Todesstrafe

Die Aktion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und das Engagement vieler anderer Menschen haben leider nicht zum Erfolg geführt. Vor zwei Tagen wurde Troy Davis in den USA hingerichtet. Bis zum Schluss war seine Schuld jedoch nicht eindeutig bewiesen worden; viel mehr noch: Immer mehr Hinweise deuteten in den letzten Jahren auf seine Unschuld hin. Das nun vollstreckte Urteil zeugt also nicht nur von mittelalterlichen Bestrafungsmethoden, sondern auch von einem äußerst unzulänglichen Rechtssystem in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Nicht zuletzt Amnesty International ist es jedoch zu verdanken, dass das Thema „Todesstrafe“ in diesen Tagen neue Aufmerksamkeit erfahren hat. Auch in vielen anderen Staaten gilt die Todesstrafe immer noch als legitimes Strafmaß. Daher freut es, dass die Menschenrechtsorganisation in diesen Tagen ankündigt, ihr Engagement gegen diese Verbrechen beizubehalten und zu intensivieren.

Es bleibt zu hoffen, dass sie dabei viel Unterstützung von Menschen aus der ganzen Welt erfährt. Spätestens seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die UN im Jahr 1948 sollte die (Befürwortung der) Todesstrafe kein Thema öffentlicher Diskussionen mehr sein dürfen. Dass dies trotzdem so ist, kann als Armutszeugnis vor allem westlicher Gesellschaften angesehen werden; insbesondere wenn es sich um – nach eigenem Verständnis – zivilisierte und aufgeklärte Staaten wie die USA handelt.

Wir von res.publica werden auch in Zukunft über entsprechende Debatten und Ereignisse berichten und auf Aktionen von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen hinweisen. AI hat gestern zudem einen Brief an alle an der o.g. Aktion Beteiligten versendet, in dem es heißt:

„Der Kampf gegen die Todesstrafe ist nicht mit mir verloren oder gewonnen (…). Wir werden gewinnen, wenn ihr nie aufhört, für  Gerechtigkeit zu kämpfen.“

Das sind die Worte von Troy Davis, wenige Stunden vor seiner Hinrichtung in der vergangenen Nacht. Er wurde getötet für ein Verbrechen, das er vielleicht nie begangen hat.

Der Direktor von Amnesty USA hatte zuvor noch mit ihm telefoniert. Troy hat seine Dankbarkeit für all die Unterstützung ausgedrückt. Er habe immer Vertrauen in unsere Bewegung gehabt und es sei wichtig, dass alle, die sich gegen die Todesstrafe einsetzen, niemals die Zuversicht verlieren.

In den letzten Tagen haben fast eine Million Menschen auf der ganzen Welt einen Aufruf für seine Begnadigung unterzeichnet. Auch Sie haben sich auf unserer Aktionsseite für Troy Davis eingesetzt.

Das alles hat Troy nicht retten können. Wir sind schockiert und wütend, aber wir werden nicht aufgeben.

Die Todesstrafe ist keine angemessene Antwort auf Gewalt und Kriminalität. Justizirrtümer können niemals ausgeschlossen werden. Wo sich der Staat zum Richter über Leben und Tod aufschwingt, findet keine Gerechtigkeit statt, sondern Rache und Vergeltung.

Aus diesem Grund setzt sich Amnesty International seit über 30 Jahren gegen diese grausame Strafe ein. Und dies mit zunehmendem Erfolg: Immer mehr Staaten schaffen diese Strafe ab. Dennoch bleibt noch viel zu tun, Jahr für Jahr werden tausende Menschen hingerichtet, vor allem in China, Iran und den USA – aber auch in Belarus (Weißrussland).

Heute trauern wir um Troy Davis. Aber sein Fall und seine Worte sind uns auch Ansporn, weiter weltweit gegen die Todesstrafe zu kämpfen.

Wir bedanken uns herzlich für Ihr Engagement.
Ihr Kampagnen-Team bei Amnesty International in Deutschland

P.S.: Am 10. Oktober ist der Internationale Tag gegen die Todesstrafe. Wir wollen diesen Anlass nutzen, um uns für die Abschaffung der Todesstrafe in dem letzten europäischen Land einzusetzen, in dem noch immer Menschen hingerichtet werden: Belarus. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Wir informieren Sie, sobald die Aktion startet.

Außerdem findet sich auf der Hompepage der Organisation eine Stellungnahme (mit ähnlichem Inhalt) zum Fall Troy Davis und zur Todesstrafe im Allgemeinen.

hd

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