Avaaz: Zerstörung des Amazonas in Bolivien stoppen

Am vergangenen Wochenende wurde in Bolivien eine friedliche Demonstration gewaltsam von der Polizei aufgelöst. Die hauptsächlich indigenen Demonstranten protestierten gegen den illegalen Bau einer Schnellstraße, welche durch geschütztes Amazonasgebiet führen soll. Eigentlich sieht das nationale und internationale Recht vor, dass die indigene Bevölkerung konsultiert werden muss, bevor ihr Land zu baulichen oder anderen Zwecken verwendet wird; dies ist jedoch nicht geschehen. Inzwischen befindet sich das Land aufgrund der Vorfälle in einer ernsthaften Krise; mehrere Kabinettsmitglieder sind bereits zurückgetreten. Das Kampagnen-Netzwerk Avaaz hat nun eine Petition an den bolivianischen Präsidenten Evo Morales gestartet, welche diesen zu einer angemessenen und friedlichen Zusammenarbeit mit den Ureinwohnern und einen positiven Umgang mit den geschützten Naturgebieten drängen soll.

In dem Aufruf des Netzwerks heißt es:

Am Sonntag ging die bolivianische Polizei mit Tränengas und Knüppeln gegen indigene Männer, Frauen und Kinder vor, die friedlich marschierten, um gegen den Bau einer illegalen Schnellstraße durch ein geschütztes Amazonasgebiet zu demonstrieren.

72 Stunden später steckt das Land in einer Krise: Zwei wichtige Minister sind zurückgetreten und die Bolivianer gehen in Protesten im ganzen Land auf die Straße. Präsident Morales war gezwungen die Bauarbeiten voübergehend einzustellen. Doch mächtige multinationale Konzerne teilen schon jetzt dieses atemberaubende Naturreservat unter sich auf. Wenn sich jetzt die Weltöffentlichkeit an die Seite der mutigen Indigenen stellt, können wir sicherstellen, dass das Autobahnprojekt so geändert wird, das der Regenwald verschont bleibt.

Avaaz übergab gerade eine Notfallpetition, die von 115,000 Menschen aus Bolivien und Lateinamerika unterzeichnet wurden an zwei leitende Minister — der gewaltige öffentliche Druck brachte sie in Verlegenheit. Nachdem die Proteste brutal niedergeschlagen wurden, können wir den Druck erhöhen und weltweit Alarm schlagen, um die Gewalt zu beenden und den Bau der Schnellstraße zu stoppen. Klicken Sie auf den folgenden Link, um die dringende Petition zu unterzeichnen — sobald wir bei 500,000 Unterschriften angelangt sind, wird sie in einer spektakulären Aktion an Präsident Evo Morales übergeben.

http://www.avaaz.org/de/bolivia_stop_the_crackdown/?vl

Tausende von Ureinwohnern marschierten in den vergangenen sechs Wochen vom Amazonas aus in Richtung Hauptstadt. Nach langem Ringen hat der bolivianische Außenminister endlich letzte Woche bei einem Treffen mit Avaaz versprochen, den Dialog mit den Anführern der indigenen Völker zu eröffnen. Als er sich am Samstag mit den Demonstranten traf und ihre Forderungen zurückwies, wurde er gezwungen mitzumarschieren, um den Demonstranten als eine Art “Schutzschild” bei der Durchbrechung einer Polizeiblockade zu dienen. Am nächsten Tag stürmten bewaffnete Polizisten das Lager der Demonstranten. Hunderte von ihnen wurden brutal geschlagen, festgenommen und mit Gewalt in Busse eingeladen, um sie zu entfernen.

Die geplante 300km lange Schnellstraße würde direkt durch Isiboro Sécure (TIPNIS auf spanisch), das Kronjuwel des bolivianischen Amazonas, verlaufen. TIPNIS ist berühmt für seine riesigen Bäume, erstaunliche Artenvielfalt, und Frischwasservorkommen. Die Bedeutung von TIPNIS für Flora, Fauna und Kultur hat dem Gebiet den Status einer doppelt geschützten Gegend eingebracht — als Nationalpark sowie als Indigenenreservat. Die Schnellstraße wird von Brasilien finanziert und würde Brasilien mit Häfen an der Pazifikküste verbinden. Doch diese toxische Hauptverkehrsstraße würde nicht nur Gesellschaften und Wald zerstören, sondern auch den Weg frei machen für Waldabbau, Ölförderung, Bergbau und große Industrie- und Landwirtschaftsprojekte in einer bis jetzt unberührten Gegend. Eine kürzlich erschienene Studie fand, dass 64% des Parks bis 2030 der Abholzung zum Opfer fallen könne, wenn die Straße gebaut würde.

Bolivianisches und internationales Recht schreiben der Regierung vor, dass indigene Völker konsultiert werden müssen, bevor ihnen Land weggenommen werden kann. Die Ureinwohner wollen aber sichere Alternativen, um Wirtschaftwachstum zu fördern und die regionale Integration auszubauen. Doch die Regierung hat ihre lautstarke Opposition ignoriert und nicht eine einzige alternative Straßenverbindung außerhalb TIPNIS wurde in Betracht gezogen. Stattdessen drängt Morales auf ein Referendum für die Region, das nicht nur gesetzeswidrig ist, sondern von vielen als Versuch angesehen wird, ein unrechtmässiges Einverständnis zu fabrizieren.

Morales wurde weltweit als erster indigener Präsident bekannt und ist berühmt für seinen Einsatz für Umwelt und Ureinwohner. Lassen Sie uns ihn dazu ermutigen, jetzt, wo sich dieser schwelende Konflikt entzündet hat, seinen Grundsätzen treu zu bleiben und an der Seite deren zu stehen, die sich für den Schutz des Amazonas und der indigenen Gemeinschaften einsetzen. Unterzeichnen Sie die Petition gegen das harte Durchgreifen und die illegale Schnellstraße.

http://www.avaaz.org/de/bolivia_stop_the_crackdown/?vl

Einmal mehr werden der Schutz des Landes, auf das wir alle angewiesen sind, und die Rechte der indigenen Völker von unseren Regierungen unter dem Vorwand von Entwicklung und Wirtschaftswachstum geopfert. Unsere Politiker stellen oft Bergbau und Abholzung in den Vordergrund und setzen dadurch unser eigenes Überleben aufs Spiel — davon profitieren regelmässig ausländische Konzerne. In der Zukunft, die wir uns alle wünschen, kommen die Umwelt und das Leben unschuldiger Menschen vor Profit. Präsident Morales hat nun die Gelegenheit, hinter seiner Bevölkerung zu stehen, den Amazonas zu retten und zu überdenken, wie nachhaltige Entwicklung in Lateinamerika gestaltet werden muss.

Hoffnungsvoll,

Luis, Laura, Alice, Ricken, David, Diego, Shibayan, Alex und das ganze Avaaz-Team

Weitere Informationen

Bolivianische Polizei schlägt Indianer-Protestmarsch nieder (Focus Online)
http://www.focus.de/panorama/vermischtes/brutale-gewalt-bolivianische-polizei-schlaegt-indianer-protestmarsch-nieder_aid_669255.html

Eskalation bei Protestmarsch durch Bolivien (Euronews)
http://de.euronews.net/2011/09/26/eskalation-bei-protestmarsch-durch-bolivien/

Kampf um Fernstraße durch Amazonasgebiet (NZZ)
http://www.avaaz.org/Kampf_um_Fernstrasse_durchs_Amazonasgebiet

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