Filmtip: Hunger

Zunächst sei erwähnt, dass es sich bei dieser Empfehlung nicht um den – ebenfalls sehr sehenswerten – britischen Spielfilm des Regisseurs Steve McQueen (2008) handelt, welcher ebenfalls den Titel „Hunger“ trägt.  Hier soll es um einen gleichnamigen Dokumentarfilm gehen, welcher von Marcus Vetter und Karin Steinberger im Auftrag des SWR produziert wurde und im Herbst 2010 erschien.

Der Film führt den Zuschauer zu verschiedenen Stationen in der ganzen Welt, an denen Hunger ein großes und vor allem lebensbestimmendes Thema darstellt: In Kenia entziehen Großunternehmen den einheimischen Volksstämmen das Wasser, um bspw. Blumen für den europäischen Markt zu produzieren, in Brasilien werden Kleinbauern vertrieben und unglaubliche Flächen Regenwald abgeholzt, damit Monsanto und andere Großkonzerne genmanipulierte Pflanzen anbauen und Viehzucht betreiben können, in Haiti wird der Markt mit Lebensmitteln aus dem Ausland (v.a. den USA) überschwemmt, so dass die einheimischen Bauern zugrunde gehen. Diese Stationen stehen beispielhaft für unzählige Orte, an denen die Kehrseite unserer globalisierten Welt zu Tage tritt; hier leben die Opfer unseres Wohlstandes.

Der Dokumentarfilm überzeugt durch seine schlichte Darstellung. Es wird nicht dramatisiert, nicht heruntergespielt und allgemein auch kaum kommentiert. Fast ausschließlich erzählen die Bilder und Interviews, nur vereinzelt werden kurze Informationen in Textform eingeblendet. Dies spricht für sich und gerade deshalb beeindruckt der Film so sehr und lässt den Zuschauer mit einem beklemmenden Gefühl zurück.

„Hunger“ ist ein sehenswerter Film über die massiven Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Besonders in Westeuropa sollte diese Dokumentation zum Nachdenken anregen. Können wir einfach so weiter machen, angesichts dieses Leids, welches vor allem wir durch unseren Lebensstil verursachen? Wir nehmen in Kauf, dass andere für unseren Wohlstand leiden und sterben, darf das sein? Bereits vor einiger Zeit veröffentlichten wir einen Artikel, der sich mit dieser Frage auseinandersetzt.

Findet von unserer Seite kein grundlegendes Umdenken und eine entsprechende Änderung unseres Verhaltens statt, wird es über kurz oder lang zu einem Kollaps der gesamten (!) globalisierten Welt kommen. Die Ausbeutung von Ressourcen und Völkern kann nicht unendlich weitergeführt werden, dieser Umstand wird auch im Film thematisiert.

Zusätzlich zum Film hat der SWR eine Themenseite ins Netz gestellt, auf welcher interssante Hintergrundinformationen sowie zusätzliche Berichte und Videos bereitgestellt sind. Außerdem kann hier die DVD (+ Bonus-Material) gegen eine Schutzgebühr von 10€ bestellt werden.

hd

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2 Antworten zu Filmtip: Hunger

  1. willi schreibt:

    Guter Film. Das Statement der Bilogin gegen Ende des Films bingt die Antwort auf die Frage, ob wir so weiter machen können oder nicht.

    Übrigens gibt’s den Film derzeit auch in der Mediathek zu sehen:
    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5685584

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