Für ein angemessenes Gedenken – Der 11. September und seine Folgen

Seit zehn Jahren dominieren die Terroranschläge vom 11.9.2001 jährlich die Medien in den Wochen vor und an dem traurigen Jahrestag. Dies ist nicht weiter verwunderlich und mit Sicherheit auch gerechtfertigt. Tausende unschuldige Menschen starben an diesem Tag, derer angemessen gedacht werden soll. Ist der 11. September eines Jahres jedoch vergangen, verschwindet das Thema wieder aus den Medien und somit aus weiten Teilen des öffentlichen Bewusstseins. Dabei sollte 9/11 heute für viel mehr stehen, denn dieser Tag hatte und hat weitreichende Auswirkungen auf die ganze Welt. 

Am 7.10.2001 griffen US-Streitkräfte zum ersten Mal Afghanistan an. Dieser Krieg forderte bis heute tausende Todesopfer, darunter zahlreiche unbeteiligte Zivilisten. Noch mehr (zivile) Todesopfer forderte bis heute der Irak-Krieg, welcher am 21.3.2003 von den USA und ihren Verbündeten begonnen wurde. Beide Kriege hatten und haben nur eine unzureichende Legitimation und sind hauptsächlich als Racheakt der US-amerikanischen Regierung zu verstehen. Wie heute bekannt ist, beruht insbesondere der Irakkrieg ausschließlich auf der bewussten Vorspiegelung falscher Tatsachen seitens der USA.

An dieser Stelle sollen die beiden Kriege der USA und ihrer Verbündeten infolge der Anschläge vom 11.9.2001 nicht näher analysiert werden. Dies angemessen zu tun, wäre wahrscheinlich nur durch die äußerst zeitaufwändige Arbeit eines kompetenten Wissenschaftlers o.ä. zu leisten. Entsprechende Quellen gibt es zudem inzwischen genug.

Eine kurze Medienkritik sei jedoch erlaubt: Auch dieses Jahr wird das Thema 9/11 nach dem heutigen Tag recht schnell die Aufmerksamkeit der Medien und somit der breiten Öffentlichkeit verlieren. Wie bereits erwähnt, ist es in Ordnung, dass der 9.11. dem Gedenken an die Opfer der Terroranschläge gehört. Doch auch hier wäre eine differenziertere Aufarbeitung möglich. Es würde sich bspw. anbieten den – auch von uns besprochenen – Film 11’09″01 zu zeigen, welcher verschiedene Sichtweisen auf diesen Tag darstellt. Stattdessen wird neben der Flut von Dokumentationen auf Hollywood-Blockbuster wie bspw. „World Trade Center“ mit Nicolas Cage zurückgegriffen. Eine gewisse Instrumentalisierung der Ereignisse zu kommerziellen Zwecken ist nicht von der Hand zu weisen.

Viel schwerer wiegt jedoch der mangelnde Umgang der Medien mit den denkwürdigen Terminen nach dem 11. September. Nur sehr wenige Dokumentationen, Reportagen, Berichte und Spielfilme finden den Weg in die Medien, wenn sich die Invasionen der USA und ihrer Verbündeten sowie darauf gefolgte Ereignisse jähren. So wurde bspw. über die Ereignisse im afghanischen Kunduz vom 4.9.2009 hierzulande letzte Woche kaum ein Wort verloren. Eine solche Liste wichtiger, jedoch vernachlässigter Ereignisse würde sich noch lange fortsetzen lassen.

Dieser Artikel ist, wie gesagt, kein Appell gegen das Gedenken an die Opfer der Terroranschläge vom 11. September oder gar für das Vergessen dieser abscheulichen Taten. Jedoch sollten auch die darauf gefolgten Ereignisse nicht vergessen werden. Es ist verständlich, dass besonders der Krieg in Afghanistan aufgrund der deutschen Beteiligung ein heikles Thema darstellt. Ein freies und demokratisches Land, wie die Bundesrepublik Deutschland, sollte es aber verkraften können und hätte es sogar nötig, sich auch mit diesen Ereignissen auseinanderzusetzen. Ein angemessenes Gedenken der tausenden Opfer durch die beiden (zum aller größten Teil sinnlosen) Kriege gehört m.E. dazu.

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2 Antworten zu Für ein angemessenes Gedenken – Der 11. September und seine Folgen

  1. Jeder Angriffskrieg könnte ein heikles Thema sein, zumindest für friedliche Gesellschaften. Da aber die „westliche Wertegemeinschaft“ erzkapitalistisch aufgestellt ist, wird es immer weiter ganz normale Kriege geben, um Land und Schätze zu erbeuten.
    Ich bin regelmäßig schockiert von den BRD-Medien, die diese menschenverachtende und verbrecherische Politik ziemlich kritikarm gewähren läßt.
    Bald jähren sich zum 40. Mal die Attentate vom 11. September 1973 – als ein faschistischer Diktator mit Hilfe der USA den demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten und tausende Menschen ermordeten. Mal sehen, wieviel Öffentlichkeit diesem Terrorakt gewidmet wird.

  2. respu schreibt:

    Danke für den Kommentar. Der USA-gestützte Putsch von 1973 in Chile ist übrigens auch Thema eines Kurzfilms im Rahmen des Projekts 11’09″01 (s.o.)

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